beratungsstelle:schriftspracherwerb

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu der Vergleichsansicht

Beide Seiten, vorherige Überarbeitung Vorherige Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorherige Überarbeitung
beratungsstelle:schriftspracherwerb [03.01.2021 12:38]
julia_hellinger
beratungsstelle:schriftspracherwerb [15.03.2022 09:03] (aktuell)
Ute Falkner
Zeile 2: Zeile 2:
 **Vorwort** **Vorwort**
  
-Ein wichtiger Meilenstein für den Bildungserfolg bei Kindern stellt der Schriftspracherwerb dar. Deshalb ist es für hörbeeinträchtigte Kinder besonders wichtig, den Weg dorthin frühzeitig zu ebnen, da in den meisten Regelwerken der Grundschule der Schriftspracherwerb über die phonologische Bewusstheit vermittelt (angebahnt) wird. Auf dem Weg zur Schrift durchlaufen Kinder unterschiedliche Stufen, sowohl im Bezug auf ihre Zugriffsweisen, ihre Vorstellung von Schrift als auch ihr individuelles Lernverhalten. **Um Kinder beim Schriftspracherwerb zielführend begleiten und auf diese Weise den Übergang zur Schule unterstützen zu können, benötigen sie frühzeitig verschiedene Zugangsweisen zur Schriftsprache.** Bereits im Kindergarten werden diese Zugänge ermöglicht (Singen, Reimen, Fingerspiele). Explizit im Vorschuljahr werden die Vorläuferfertigkeiten verstärkt geübt (Anlaute heraushören, Silben klatschen, einzelne Wörter schreiben). Vor allem aber zuhause wird der Grundstein für einen gelingenden Zugang zur Schriftsprache gelegt (Bilderbücher gemeinsam lesen, malen, schreiben, reimen, Knie-und Fingerspiele). **Bei hörbeeinträchtigten Kindern sollte schon früh das Schriftbild angeboten werden **(z.B. das Bild einer Maus mit dem geschriebenen Wort "MAUS" darunter -> es gibt viele schöne Bilderbücher, die das Schriftbild zu den Bildern enthalten!), **da der Zugang über das Hören, und somit die Speicherung über das Phonologische Gedächtnis, eingeschränkt ist.**+Ein wichtiger Meilenstein für den Bildungserfolg bei Kindern stellt der Schriftspracherwerb dar. Deshalb ist es für hörbeeinträchtigte Kinder besonders wichtig, den Weg dorthin frühzeitig zu ebnen, da in den meisten Regelwerken der Grundschule der Schriftspracherwerb über die phonologische Bewusstheit vermittelt (angebahnt) wird. Auf dem Weg zur Schrift durchlaufen Kinder unterschiedliche Stufen, sowohl im Bezug auf ihre Zugriffsweisen, ihre Vorstellung von Schrift als auch ihr individuelles Lernverhalten.  
 + 
 +**Um Kinder beim Schriftspracherwerb zielführend begleiten und auf diese Weise den Übergang zur Schule unterstützen zu können, benötigen sie frühzeitig verschiedene Zugangsweisen zur Schriftsprache.** Bereits im Kindergarten werden diese Zugänge ermöglicht (Singen, Reimen, Fingerspiele). Explizit im Vorschuljahr werden die Vorläuferfertigkeiten verstärkt geübt (Anlaute heraushören, Silben klatschen, einzelne Wörter schreiben). Vor allem aber zuhause wird der Grundstein für einen gelingenden Zugang zur Schriftsprache gelegt (Bilderbücher gemeinsam lesen, malen, schreiben, reimen, Knie-und Fingerspiele). Unter unserer Rubrik "Fördermöglichkeiten im Alltag" finden Sie Ideen für die Umsetzung zu Hause. **Bei hörbeeinträchtigten Kindern sollte schon früh das Schriftbild angeboten werden** (z.B. das Bild einer Maus mit dem geschriebenen Wort "MAUS" darunter -> es gibt viele schöne Bilderbücher, die das Schriftbild zu den Bildern enthalten!), **da der Zugang über das Hören, und somit die Speicherung über das Phonologische Gedächtnis, eingeschränkt ist. 
 +** 
  
 . .
Zeile 11: Zeile 15:
  
 Die sogenannte phonologische Bewusstheit wird als eine wichtige Fähigkeit für den Schriftspracherwerb angesehen.**  Die sogenannte phonologische Bewusstheit wird als eine wichtige Fähigkeit für den Schriftspracherwerb angesehen.** 
 +
 Es geht dabei darum, Sprache nicht nach ihrem Inhalt, sondern formal zu erfassen.  Es geht dabei darum, Sprache nicht nach ihrem Inhalt, sondern formal zu erfassen. 
 +
 „Der Begriff phonologische Bewusstheit bezeichnet (..) eine bestimmte Form der Sprachbewusstheit und stellt den wichtigsten Teilbereich der sogenannten „phonologischen Informationsverarbeitung“ dar. Er bezeichnet die Fähigkeit, bei der Aufnahme, der Verarbeitung, dem Abruf und der Speicherung von sprachlichen Informationen Wissen über die lautliche Struktur der Sprache heranzuziehen (Wagner/Torgesen 1987). Kinder müssen sich hierzu vom Bedeutungsinhalt der Sprache lösen und begreifen, dass Sätze aus Wörtern, Wörter aus Silben und Silben aus Lauten aufgebaut, dass manche Wörter länger und andere kürzer sind. Es geht darum zu erfassen, was der erste Laut eines Wortes ist, wie es endet und dass manche Wörter sich reimen.  „Der Begriff phonologische Bewusstheit bezeichnet (..) eine bestimmte Form der Sprachbewusstheit und stellt den wichtigsten Teilbereich der sogenannten „phonologischen Informationsverarbeitung“ dar. Er bezeichnet die Fähigkeit, bei der Aufnahme, der Verarbeitung, dem Abruf und der Speicherung von sprachlichen Informationen Wissen über die lautliche Struktur der Sprache heranzuziehen (Wagner/Torgesen 1987). Kinder müssen sich hierzu vom Bedeutungsinhalt der Sprache lösen und begreifen, dass Sätze aus Wörtern, Wörter aus Silben und Silben aus Lauten aufgebaut, dass manche Wörter länger und andere kürzer sind. Es geht darum zu erfassen, was der erste Laut eines Wortes ist, wie es endet und dass manche Wörter sich reimen. 
  
 Man unterscheidet zwei wesentliche Aspekte:  Man unterscheidet zwei wesentliche Aspekte: 
  
-Zur** phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinn** gehören die Fähigkeiten, Wörter in Silben zu zerlegen und Silben zu einem Wort zusammenzufügen. +zur** phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinn** gehören die Fähigkeiten, Wörter in Silben zu zerlegen und Silben zu einem Wort zusammenzufügen. 
  
 - **Phonologische Bewusstheit im engeren Sinn** dagegen bezeichnet die Fähigkeiten, Anlaute zu erkennen, aus Lauten ein Wort zu bilden oder ein Wort in seine Laute zu zerlegen.“  - **Phonologische Bewusstheit im engeren Sinn** dagegen bezeichnet die Fähigkeiten, Anlaute zu erkennen, aus Lauten ein Wort zu bilden oder ein Wort in seine Laute zu zerlegen.“ 
Zeile 22: Zeile 28:
 ( https://de.wikipedia.org/wiki/Phonologische_Bewusstheit) ( https://de.wikipedia.org/wiki/Phonologische_Bewusstheit)
  
 +.
  
  
  
  
-Wenn sie z.B. ein Kind fragen: „Welches Wort ist länger- Zug oder Tausendfüßler?“ werden sie bei einem Kind, das die Sprache noch nicht formal erfasst, die Antwort: „Zug“ bekommen. Dieses Kind stellt sich bei dem Wort „Zug“ einen realen Zug vor und weiß, dass der Zug in Wirklichkeit natürlich viel länger ist, als ein kleiner Tausendfüßler. Es geht bei diesem Kind rein um die Bedeutung der beiden Wörter. 
  
-Ein Kind, das sich schon von der Bedeutungsebene gelöst hat, könnte auf dieselbe Frage so antworten: „Tausendfüßler ist länger, es hat 4 Silben.“ Dieses Kind hat verstanden, dass es die beiden Wörter getrennt von der Bedeutung untersuchen kann.+ 
 +Wenn Sie z.B. ein Kind fragen: „Welches Wort ist länger- Zug oder Tausendfüßler?“ werden sie bei einem Kind, das die Sprache noch nicht formal erfasst, die Antwort: „Zug“ bekommen.  
 + 
 +Dieses Kind stellt sich bei dem Wort „Zug“ einen realen Zug vor und weiß, dass der Zug in Wirklichkeit natürlich viel länger ist, als ein kleiner Tausendfüßler.  
 + 
 +Es geht bei diesem Kind rein um die Bedeutung der beiden Wörter. 
 + 
 + 
 +Ein Kind, das sich schon von der Bedeutungsebene gelöst hat, könnte auf dieselbe Frage so antworten: „Tausendfüßler ist länger, es hat 4 Silben.“  
 + 
 +Dieses Kind hat verstanden, dass es die beiden Wörter getrennt von der Bedeutung untersuchen kann. 
 + 
 +
  
 Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne macht es den Kindern möglich, Laute aus Wörtern herauszuhören, z.B. das Wort „Ball“ fängt mit einem "b" an. Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne macht es den Kindern möglich, Laute aus Wörtern herauszuhören, z.B. das Wort „Ball“ fängt mit einem "b" an.
Zeile 43: Zeile 62:
  
 **Spaß am Lesen** **Spaß am Lesen**
-Wie Sie Ihr gehörloses/hörbehindertes Kind im Lesen fördern+Wie Sie Ihr gehörloses/hörbehindertes Kind im Lesen fördern
  
 Lesen lernen – von klein auf und zwar mit Spaß: In diesem Leseflyer des BUNDESELTERNVERBANDs Gehörloser Kinder E.V. erhalten Eltern gehörloser/hörbehinderter Kinder Antworten auf Fragen rund um das Lesen: Wie lese ich meinem Kind vor? Womit kann ich für mehr Freude an Buchstaben sorgen? Und warum ist es sinnvoll, dass mein Kind noch vor der Schule lesen lernt? Lesen lernen – von klein auf und zwar mit Spaß: In diesem Leseflyer des BUNDESELTERNVERBANDs Gehörloser Kinder E.V. erhalten Eltern gehörloser/hörbehinderter Kinder Antworten auf Fragen rund um das Lesen: Wie lese ich meinem Kind vor? Womit kann ich für mehr Freude an Buchstaben sorgen? Und warum ist es sinnvoll, dass mein Kind noch vor der Schule lesen lernt?
Zeile 57: Zeile 76:
  
  
-**In den folgenden Dataien erhalten Sie Informationen zu den Themen:** +**In den folgenden Dateien erhalten Sie Informationen zu den Themen:** 
  
 - Unterstützung des Schriftspracherwerbs von UK-NutzerInnen durch Handzeichensysteme (für Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen) - Unterstützung des Schriftspracherwerbs von UK-NutzerInnen durch Handzeichensysteme (für Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen)
Zeile 71: Zeile 90:
  
 Dateien zum Schriftspracherwerb: Dateien zum Schriftspracherwerb:
-{(DATEIEN>beratungsstelle/schriftspracherwerb)}+{(DATEIEN>intern/beratungsstelle/schriftspracherwerb)}
  
  
  • beratungsstelle/schriftspracherwerb.1609673916.txt.gz
  • Zuletzt geändert: 03.01.2021 12:38
  • von julia_hellinger